Impfpflicht ja oder nein

Obwohl es einen Impfstoff gegen Masern gibt, kommt es immer wieder zu Ausbrüchen von Masern-Epidemien – für manche Betroffene mit schwerwiegenden Folgen. In einigen europäischen Ländern – darunter Deutschland, Frankreich und Italien – gibt es eine Masern-Impfpflicht. In Österreich wird sie sehr gegensätzlich diskutiert, doch angesichts der Corona-Pandemie könnte sich diese Sichtweise verändern.1 Laut einer Marketagent-Umfrage sagen 36 % der österreichischen Bevölkerung, dass es gegen Covid-19 eine Impfpflicht geben soll. 53 % sprechen sich für eine Impfpflicht nur für gefährliche Krankheiten wie Masern aus. Knapp 23 % sind gegen eine Impfpflicht.2

Was spricht für eine Impfpflicht?

Viele Erkrankungen, für die eine Impfpflicht diskutiert wird, wie etwa Masern, können im Infektionsfall schwerwiegende Folgeschäden bis hin zum Tod nach sich ziehen. Selbst wenn in einem Land länger kein Masern- oder COVID-19-Fall aufgetreten ist, können Krankheiten aufgrund der Mobilität wieder eingeschleppt werden und Epidemien auslösen, wo Menschen nicht geimpft sind. In jenen Ländern, in denen die Impfpflicht gegen Masern eingeführt wurde, zeigten sich sehr rasch positive Resultate: Durchimpfungsrate und Herdenschutz haben sich verbessert.1

Die Bioethik-Kommission, die auch den Bundeskanzler berät, hält eine Impfpflicht gegen das Coronavirus für ethisch vertretbar. Auch für eine Masern-Impfpflicht hat sie sich bereits ausgesprochen. Der Grund: „Je harmloser der Eingriff für den Einzelnen ist und je gefährlicher die Krankheit für die Gesundheit der Bevölkerung ist und je größer der Nutzen einer Impfpflicht ist, desto eher ist ein Eingriff in die Integrität des Einzelnen gerechtfertigt“, sagt die Vorsitzende der Bioethik-Kommission Dr. Christiane Druml.3

Neben dem Schutz vor einer Infektion spricht demnach auch die Herdenimmunität für eine Impflicht. Dazu kommen die gesellschaftliche Verpflichtung und der Wunsch, Risikogruppen nicht anzustecken.2

Was spricht gegen eine Impfpflicht?

Um eine Epidemie oder Pandemie zu stoppen, ist es langfristig notwendig, eine Herdenimmunität zu erreichen. Das bedeutet bei SARS-CoV-2, dass rund 60 bis 70 % der Bevölkerung entweder eine natürliche Immunität durch durchgemachte Krankheit oder eine Impfung bekommen müssen. Manche Experten gehen auch davon aus, dass bereits 40% reichen. Das ist bedeutend weniger als bei Masern, wo 95 % der Bevölkerung immun sein müssen. Wenn der Impfstoff gegen Corona gut verträglich und leicht erhältlich ist, können wir davon ausgehen, dass sich eine ausreichende Zahl an Menschen freiwillig impfen lassen wird, um eine Herdenimmunität zu erlangen.4 Die Verordnung einer Impfpflicht wäre dann nicht notwendig.

Zu den wichtigsten Argumenten der Gegner einer Impfpflicht bei Corona aber auch anderen Infektionskrankheiten zählen vor allem die Angst vor Nebenwirkungen und Impfschäden sowie die persönliche Freiheit, die durch Zwangsimpfungen eingeschränkt wird. Auch sehen sich viele nicht als Teil einer Risikogruppe und haben daher keinen Bedarf einer Impfung.2 Weiter wird als Kritikpunkt angeführt, dass lediglich die Pharmaindustrie von Impfungen profitieren würden.5

Pro und Contra Impfpflicht

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